Wozu soll Geschichte taugen

wenn man sie nicht ...

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Wozu soll Geschichte taugen, wenn man sie nicht anwenden, Lehren aus ihr ziehen darf?

Lehren aus der Geschichte zu ziehen und Jugend, das sollte und muss zusammengehen, damit die Jugend eine Zukunft hat. Wenn sich junge Deutsche und Türken oder Türken und Türken in Deutschland an der Frage scheiden: „Wie hältst du es mit Präsident Erdogan“ dann ist eine bedenkliche Polarisation erreicht und wenn diese dann zu bisher ungekannten Ausmaßen, wie Freundschaftsaufkündigungen oder Denunziantentum anschwillt, wird der Riss sichtbar, der sich zwischen unseren Jugendlichen auftut!

Gerade wir Deutschen sollten sehr genau hinsehen, wenn Massen von Menschen einer Person zuströmen, ihr zujubeln und letztendlich bereit sind einen Heilsbringer zu sehen.

Ab 1933 gab es in Deutschland auch Massen von Menschen, die Ihrem Führer nicht nur zujubelten, sondern sie bestärkten diesen, ihren Führer, in seinem Handeln mit Millionen von Menschen auf Großdemonstrationen! Die verheerenden Folgen des  2.Weltkrieges, der Ausrottung von Menschen, weil sich Deutsche als Herrenmenschen und die anderen als minderwertig sahen, sind bekannt.

Präsident Erdogan ist nicht Hitler! Aber der Präsident der Türken ist ein Menschenfänger! Er hat das, was auch den meisten deutschen Politikern fehlt, Ausstrahlungskraft. Er kann der Masse der Menschen aus der Seele sprechen, weil da etwas ist, was wohl sehr viele Türken verbindet und das weiß er sehr wohl für seine Politik zu nutzen. Es wäre töricht zu glauben, dass er alle manipuliert und diese Masse der Türken dumm ist! Erinnern wir uns an einen Ausspruch von Karl Marx: „..allein auch die Theorie wird zur materiellen Gewalt, sobald sie die Massen ergreift.“ (Karl Marx, aus „Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie“, 1844, erschienen in MEW Bd1, S 385) Präsident Erdogan erreicht die Massen und er kann sich ihrer Gewalt erst einmal gesehen im Sinne der Veränderungswilligkeit, sicher sein. Er will die Türkei zu einer islamischen Großmacht formen, dafür nutzt er sein Talent und hofft auf Ewigkeit in den Geschichtsbüchern gleich Atatürk. Trotz seines Talents muss ausdrücklich gesagt sein, ein Vergleich von Präsident Erdogan mit Adolf Hitler ist schlichtweg unzulässig! Denn die Ergebnisse des ersteren vor der Geschichte werden wir erst in 10 Jahren wissen, die von Adolf Hitler sind bekannt und als verbrecherisch eingestuft. Aber zulässig ist immer und das ist kein Widerspruch in sich, die Lehren aus der Geschichte zu bemühen, um auf gefährliche, mögliche Entwicklungen aufmerksam zu machen, wie sich etwas gesellschaftlich gesehen, bildet. Und da sei jenen anempfohlen, die nicht unter Denkfaulheit leiden, hier selbst zu prüfen, ob es bereits  Parallelen gibt? Denn die Wege die Präsident Erdogan gerade unter dem Jubel seiner Anhänger heute beschreitet, verheißen nach meiner Auffassung nichts Gutes.

Doch nun zu dem, was Deutschland betraf. Wenn wir uns in unseren Gedanken in das Jahr 1933 zurückversetzten, da wüssten wir auch nicht, was das Jahr 1945 bringen würde, wir hätten nur das Heute vor Augen und da gab es bei den Deutschen im Jahr 1933? 

  •  Säuberungsaktionen, politisch Unliebsame, potenzielle Widerständler wurden beginnend nach dem Reichstagsbrand im Februar 1933 eingeschüchtert, weggesperrt oder von den Schergen der Nazis, wie der SA, zu Tode geprügelt. Personen, die hätten Widerstand leisten können, waren nicht mehr da, eine Gegenbewegung zu den Nazis konnte nicht mehr formiert werden.
  • Denunziantentum, unliebsame Nachbarn, Geschäftskonkurrenten wurden bei den neuen Herren angeschwärzt. Einmal um selbst seine Loyalität gegenüber den neuen Machthabern zu zeigen und den anderen, den Konkurrenten  endlich los zu werden.
  • massenhafte Einschüchterungen, da die Kritiker mundtot gemacht wurden, traute sich keiner mehr seine Stimme gegen die neuen Machthaber, die Nazis, zu erheben. Angst vor Verfolgung und Misshandlung, aber auch Misstrauen nistete sich in den zwischenmenschlichen Beziehungen ein.
  • Gleichschaltung, eine einheitliche „Volksmeinung“ trat an die Stelle der vielfältigen Meinungen des Volkes. Die Anschauungen des Volkes über und zu der Welt richteten sich zunehmend auf eine Weltanschauung aus, auf die des Führers Adolf Hitler. Die Parteienvielfalt existierte nicht mehr wie auch andere Bürgervertretungen verboten waren.
  • Massenaufmärsche bei den Deutschen, unzählige Deutsche bekundeten ihre Unterstützung für die Politik der Nazis auf Massendemonstrationen.

 

Da ich kein Recht habe über das zu befinden, was die Türken in ihrem Land umsetzen wollen, äußere ich mich dazu nicht!  Ich nehme mir aber alles Recht, all das, was sich gerade in der Türkei begibt an Gewalt gegen Andersdenkende, an Säuberungen im Sinne Erdogans, an Denunziantentum, an Demonstrationen zur Aufputschung der Massen, vermeintlich zum Schutz der Demokratie und bei  der Unterlaufung der Rechtstaatlichkeit klar zu benennen und zu bekämpfen, wenn es nach Deutschland eingeschleppt wird, mir aufgezwungen ist und in meiner Heimat mittels eines hier inszenierten Bruderzwistes der Türken, meine Lebenswelt zertrümmert!

Also werde ich das Vorgehen in der Türkei mit Argusaugen begleiten und alles was nach Deutschland überschwappt kommentieren und jenen meine Meinung entgegenstellen, die hier gleiches wie in der Türkei umsetzen wollen, jenen mich entgegenstellen, denen die Fähigkeit sich mit der Geschichte auseinandersetzen zu können unbekannt ist und die es nicht gewohnt sind sich das Hirn zu zermartern, um einen eigenen bewertenden Satz sagen zu können und statt dessen lieber das nachplappern, was der Nachbar  auch sagt und sich bestenfalls darin unterscheiden sowie hervortun können, was die Gefühlsausbrüche des Nachbarn noch übertrumpfen lässt, um seine Loyalität gegenüber der neuen Bewegung in der Türkei richtig ins Licht zu setzen und nun endlich auch Teil von etwas Bedeutendem zu sein.

Ich denke, wenn man sich über seine Befindlichkeiten auseinandersetzt und nicht Gleichgültigkeit herrscht, ist noch respektvoller Umgang möglich andernfalls und das will ich nicht, gibt es unüberbrückbare Widersprüche. Ja, seit dem Putsch und seiner Niederschlagung in der Türkei gibt es einen Riss zwischen den Deutschen und den Türken in Deutschland! Freundschaften zwischen besonders jungen Menschen lösen sich auf, zerbrechen an dem Für - oder Gegen- Erdogan! Diese Polarisierung, dieses Ausgrenzen des Andersdenkenden, wie sie Präsident Erdogan in der türkischen Gesellschaft aufbaut , darf in Deutschland nicht wuchernd Erfolg haben!

 

Aktualisiert ( Samstag, 27. August 2016 um 12:02 )